Ich grüße Euch aus Schleswig-Holstein!
So ein Umzug in ein komplett neues Bundesland,
eine neue Stadt, eine Wohnung, die man noch nie gesehen hat,
ist natürlich auch mit einem neuen sozialen Umfeld verbunden.
Dazu gehören neue Freunde,
neue Kollegen, neue Verkäufer, Dienstleister wie Friseur, Kosmetiker, Ärzte,
und auch Nachbarn.
Ich hatte wirklich ein total unerwartetes Glück mit meinen neuen Nachbarn!
So ein Glück, dass ich mir nicht mal erträumt hätte,
und das, wo ich doch so ein Träumerle von einer besseren Welt bin!
Das mag wohl was heißen, oder!?
Ich möchte mir heute die Sache "Nachbarschaft" genauer ansehen!
Das Bild zeigt meine Interpretation von Nachbarschaft:
Wir leben in verschiedenen Straßen. Hausen unterschiedlich. Wir sind individuell. Unsere Wege kreuzen sich. Manchmal muss einer sich für den anderen etwas zurückziehen. Man macht für den anderen Platz. Geben & Nehmen. Es fließt, ist im Fluss. Doch nicht exakt, es hat Ecken und Kanten, ist nicht akkurat. Weil wir Individuen sind.
Prinzipiell wünschen wir uns von einer Nachbarschaft alle das Selbe, oder?!
Ja, wir wollen
gut miteinander auskommen, doch wir wollen auch unsere Ruhe!
Ich denke, das ist so die Kernaussage, wenn man sich verschiedene Meinungen anhört.
Bei mir ist das so, dass ich gerne den Kontakt habe, auch mal ein paar Worte zu wechseln, wenn man sich trifft. Ich weiß gerne, wie es meinen Nachbarn geht, ich habe kein Problem damit, wenn sie bei mir klingeln, wenn sie mal die Bohrmaschine brauchen oder ihnen ein Ei für ihren Kuchen fehlt. Das gibt mir ja auch das Gefühl, dass ich bei ihnen klingeln darf, wenn was ist. Rücksichtnahme ist für mich wichtig, nicht dass man sich selbst einschränkt, doch finde ich es wichtig, die Nachbarn zB bei einer Geburtstagsfete kurz zu informieren: "Du, morgen wird es bei mir bisschen lauter, ich feier Geburtstag!".
Bei uns hier im Haus ist das alles so!
Hab ich was in der Wohnung zu machen, bieten sich alle an. Ebenso gehe ich gucken, wenn die Nachbarin am Laptop nicht klar kommt. Spielt der Nachbar abends auf der Gitarre auf, singe ich in meiner Wohnung mit und habe inzwischen die Einladung erhalten, gerne auch in seiner Wohnung mitzusingen ;-) Wenn ich backe, verteile ich die Hälfte der Leckereien im Haus. Mein Vermieter ist schon traurig, dass er ein eigenes Häuschen hat und deswegen keinen Kuchen vor seiner Wohnungstür findet ;-) Als ich mit meiner Freundin einen schweren E-Herd in Keller tragen wollte, kam sofort der Freund meiner jungen Nachbarin in selbstgestrickten Socken angerannt, wir sollen uns doch nicht so abmühen, nahm uns den Herd schwuppdiwupp ab und trug ihn alleine in den Keller! Wir waren echt beeindruckt!
Nachbarschaft kann auch anders aussehen.... Und dann wird es mal richtig ungemütlich! Es gibt ja Fernsehsender, man glaubt es kaum, die diese üblen Geschichten so ganz arg ausschlachtet, als wär das alles nicht schon schlimm genug. Denn was ist unser Zuhause denn für uns, wenn nicht eins der wichtigsten Dinge, die wir in unserem Leben haben und brauchen? Wo fühlen wir uns am meisten wohl und geborgen (außer noch bei geliebten Menschen)? Wo ziehen wir uns zurück, wenn wir zur Ruhe kommen wollen? Wo lassen wir komplett los, wenn wir uns zum Schlafen legen? Wo ziehen wir uns um und haben all unser Hab und Gut, auch wenn wir das Haus verlassen?
Nachbarschaft ist auch eine Vertrauenssache. Sich unter Nachbarn wohl zu fühlen, gibt mir Sicherheit. Ist das bei Euch auch so?
Und nicht nur die engsten Nachbarn, zB im eigenen Mehrfamilienhaus, sind entscheidend, sondern auch die Umgebung, in der man wohnt. Ich merke es ganz arg, dass ich diese wundervolle ruhig gelegene Siedlung mit fast ausschließlich Einfamilienhäusern und schönen Gärten am Rande des Ortes nach meinen drei Jahren mitten in einer Kreisstadt und in einer Geschäftsstraße sehr genieße.
Hier spazieren die Menschen sonntags nach dem Essen durch die Straßen, morgens und abends wird mit dem Hund gegangen, es gibt hier kein schlechtes Wetter und man kennt sich, bleibt stehen und hält einen Plausch. Wer keinen eigenen Hund hat, hat Leckerlis für die Nachbarhunde in der Jackentasche und als Dankeschön für den rettenden Honig der Nachbarin, als die Erkältung so übel Einzug hielt, gibt es einen kleinen Strauß Tulpen.Der Parkplatz des Nachbarn wird freigehalten, und wenn man weiß, Opi aus dem 1. Stock ist gerade zu den Enkeln verreist, dann ist man auf Hab-Acht, wenn dort abends Licht brennt. Man achtet aufeinander, respektiert sich, lernt sich immer besser kennen, trinkt mal nen Kaffee oder Tee miteinander - Nachbarschaft kann so schön sein! :-)
Ich kann wirklich nur dazu raten, sich für die Menschen um uns rum zu öffnen! Ruhe und Rückzug braucht jeder mal und man kann auch nicht mit jedem gut Freund und sich sympathisch sein, das ist menschlich. Doch einfach mal gucken, wer wohnt da neben mir, was macht diese Person aus, kann ich irgendwie helfen, ohne dass es für mich zu zeitintensiv ist oder will ich sogar etwas meiner Zeit investieren?
Eine gute Nachbarschaft ist etwas sehr wertvolles, ich möchte nicht auf meine hier verzichten!
Und irgendwie, habe ich hier mit Euch auch eine tolle Nachbarschaft ;-)
Ich grüße Euch aus meinem Fenster raus,
Eure MeiLing
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