"Was das Meer ihnen vorschlug"
Tomàs González
Neugierig geworden bin ich durch folgende Buchbeschreibung des mare Verlags:
Als nichtsnutzige Versager betrachtet der jähzornige,
misanthropische Hotelbesitzer
seine fast erwachsenen Zwillingssöhne
Mario und Javier.
Und nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben,
bringen die beiden Brüder dem herrischen Vater ihrerseits lang
gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen
schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau,
ein
offenes Geheimnis in dem kleinen Küstenort.
Eines Nachmittags begeben
sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See.
Doch vor der
karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen,
die
Hitze ist drückend, die Stimmung aufgeladen.
Als ihr Motorboot in Seenot
gerät und der Vater plötzlich über Bord geht,
erkennen
die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist.
Meine persönliche Meinung:
Als ich zu lesen begann, fiel mir zuerst der detaillierte und
ausführliche Schreibstil des Autors auf, den ich – in Anbetracht der
Gegend in Kolumbien – als sehr blumig und farbenfroh erlebt
habe.
Ich hatte oft den Eindruck, ich sei mitten vor Ort und könnte
das Meer riechen, die Pflanzen und Tiere sehen, das faszinierte mich
sehr.
Auch die Protagonisten skizzierte mir der Autor sehr klar, so dass
ich mir ein gutes Bild machen konnte. Dabei setzte er auf verschiedene
Erzählperspektiven und ließ einige Figuren neben den
Hauptprotagonisten auftreten. Von diesen erfuhren wir auch ihre
Sicht der Dinge, was am Tag X geschehen ist.
Diese ersten beiden Punkte jedoch sorgten dafür, dass ich immer
dachte, ich überlese etwas Wichtiges, etwas Fundamentales für die
Handlung, weil so viel „Schnörkel“ drum herum sind. Das machte
mir das Lesen nicht einfach.
Das Buch und somit die Handlung sind unterteilt in einen zeitlichen
Ablauf, in stundenweise Abschnitte/Kapitel. Zwischendurch werden
Sequenzen der kranken Mutter Nora eingeblendet, die sich
abseits des Geschehens auf dem Meer ebenso mit dem Tod des Vaters
auseinandersetzt –
jedoch auf ihre Art, die in mir große Verwirrung und
Chaos hinterließ.
Die Zwillingsbrüder Javier und Mario sind nicht nur optisch sehr
unterschiedlich, sondern auch in ihrem Wesen. Man erfährt schnell, wo
sie ihre Stärken haben und wie sie versuchen, all dem „Mist“
in ihrem Leben zu entfliehen. Bestimmte Fakten halten die beiden
anscheinend in der bestehenden Situation gefangen, und es gelingt dem
Autor, die Gefühle der Brüder derart zu transportieren,
dass
man sich schnell wünscht, sie mögen doch endlich etwas verändern.
Der Spannungsbogen war für mich nicht in der Handlung
nachvollziehbar.
Ich bemerkte einen „Anspannungsbogen“ und zwar auf der
Aggressionsebene, ausgelöst durch die Haltung der drei Männer
zueinander. Deren Gedanken, deren Worte, die Beschimpfungen,
Erniedrigungen und Handlungen.
Mein Kopfkino, sprich mein Wunsch zu diesem Buch, wurde nicht
erfüllt, das kann ich nun sagen, nachdem ich das Ende kenne. Ich bleibe
verwirrt, wutgeladen und voller Fragen zurück.
Doch sehe ich
auch immer das Positive in den Dingen:
Der interessante Gedanke der bleibt ist, dass ein Vorschlag – auch wenn wir ihn alle in der gleichen Intensität und mit allen Sinnen im selben Moment wahrnehmen - bei jedem von uns etwas anderes auslöst, und nicht immer die beste Option ist.
Der interessante Gedanke der bleibt ist, dass ein Vorschlag – auch wenn wir ihn alle in der gleichen Intensität und mit allen Sinnen im selben Moment wahrnehmen - bei jedem von uns etwas anderes auslöst, und nicht immer die beste Option ist.
Auch hier geht es um
Tragweite und das wir bedenken sollten, was das Naheliegendste neben dem
ersten Hochgefühl noch alles mit sich bringen kann.
Und demnach hat das offensichtliche Ende etwas Gutes.

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