Sonntag, 13. März 2016

Buchrezension: ... über die Tragweite unserer Entscheidungen

"Was das Meer ihnen vorschlug"
Tomàs González

 

 
Neugierig geworden bin ich durch folgende Buchbeschreibung des mare Verlags:

Als nichtsnutzige Versager betrachtet der jähzornige, misanthropische Hotelbesitzer 
seine fast erwachsenen Zwillingssöhne Mario und Javier. 
Und nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben, 
 bringen die beiden Brüder dem herrischen Vater ihrerseits lang gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau, 
aus dem sogar ein weiteres Kind hervorgegangen ist, ihre Mutter krank gemacht – 
ein offenes Geheimnis in dem kleinen Küstenort. 
Eines Nachmittags begeben sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See. 
Doch vor der karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen,
die Hitze ist drückend, die Stimmung aufgeladen. 
Als ihr Motorboot in Seenot gerät und der Vater plötzlich über Bord geht, 
erkennen die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist.
 
 
Meine persönliche Meinung:
 
Als ich zu lesen begann, fiel mir zuerst der detaillierte und ausführliche Schreibstil des Autors auf, den ich – in Anbetracht der Gegend in Kolumbien – als sehr blumig und farbenfroh erlebt habe. 
Ich hatte oft den Eindruck, ich sei mitten vor Ort und könnte das Meer riechen, die Pflanzen und Tiere sehen, das faszinierte mich sehr.
 
Auch die Protagonisten skizzierte mir der Autor sehr klar, so dass ich mir ein gutes Bild machen konnte. Dabei setzte er auf verschiedene Erzählperspektiven und ließ einige Figuren neben den Hauptprotagonisten auftreten. Von diesen erfuhren wir auch ihre Sicht der Dinge, was am Tag X geschehen ist.
 
Diese ersten beiden Punkte jedoch sorgten dafür, dass ich immer dachte, ich überlese etwas Wichtiges, etwas Fundamentales für die Handlung, weil so viel „Schnörkel“ drum herum sind. Das machte mir das Lesen nicht einfach.
 
Das Buch und somit die Handlung sind unterteilt in einen zeitlichen Ablauf, in stundenweise Abschnitte/Kapitel. Zwischendurch werden Sequenzen der kranken Mutter Nora eingeblendet, die sich abseits des Geschehens auf dem Meer ebenso mit dem Tod des Vaters auseinandersetzt – 
jedoch auf ihre Art, die in mir große Verwirrung und Chaos hinterließ.
Die Zwillingsbrüder Javier und Mario sind nicht nur optisch sehr unterschiedlich, sondern auch in ihrem Wesen. Man erfährt schnell, wo sie ihre Stärken haben und wie sie versuchen, all dem „Mist“ in ihrem Leben zu entfliehen. Bestimmte Fakten halten die beiden anscheinend in der bestehenden Situation gefangen, und es gelingt dem Autor, die Gefühle der Brüder derart zu transportieren, 
dass man sich schnell wünscht, sie mögen doch endlich etwas verändern.
 
Der Spannungsbogen war für mich nicht in der Handlung nachvollziehbar. 
Ich bemerkte einen „Anspannungsbogen“ und zwar auf der Aggressionsebene, ausgelöst durch die Haltung der drei Männer zueinander. Deren Gedanken, deren Worte, die Beschimpfungen, Erniedrigungen und Handlungen.
 
Mein Kopfkino, sprich mein Wunsch zu diesem Buch, wurde nicht erfüllt, das kann ich nun sagen, nachdem ich das Ende kenne. Ich bleibe verwirrt, wutgeladen und voller Fragen zurück. 

Doch sehe ich auch immer das Positive in den Dingen:
Der interessante Gedanke der bleibt ist, dass ein Vorschlag – auch wenn wir ihn alle in der gleichen Intensität und mit allen Sinnen im selben Moment wahrnehmen - bei jedem von uns etwas anderes auslöst, und nicht immer die beste Option ist. 
Auch hier geht es um Tragweite und das wir bedenken sollten, was das Naheliegendste neben dem ersten Hochgefühl noch alles mit sich bringen kann. 
Und demnach hat das offensichtliche Ende etwas Gutes.

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