Donnerstag, 22. Juni 2017

MeiLing scheißt klug: Gesundheitssystem Hallo!

Hallo Ihr Lieben!

Herzlich Willkommen,
heute werde ich klugscheißen, einfach so,
weil ich es kann.

Wie Ihr wisst, gibt es hier Donnerstags immer mal Themen,
die mich beschäftigen, die mir so über den Weg liefen,
die ich grad selbst erfahre, oder die einfach lustig waren. 

Ich bin dabei schonungslos ehrlich, so wie ich es empfinde,
und Ihr sagt mir schon auch mal Eure Meinung. 
Dabei soll es auch bitte bleiben.
Wie Ihr wisst, bin ich Mitte 30 und schon in Erwerbsminderungsrente,
da ich es aus gesundheitlichen Gründen ins Berufsleben momentan nicht schaffe.
Ich habe mich nicht aufgegeben, viele andere, 
die mir eigentlich helfen sollten, dafür schon....




Seit sieben Monaten bin ich nun in Schleswig-Holstein, und als ich hier in den Norden kam war mir bewusst, ich lasse mein super gutes, qualifiziertes und mit Geduld und Zeit aufgebautes Netzwerk an Ärzten und Therapeuten zurück. Klar, ein Umzug auf diese Entfernung hat sicher immer ein lachendes und ein weinendes Auge.
Dass es hier in SH nicht sooo rosig mit
Ärzten und Fachärzten aussieht, das wurde mir schon gesagt. Ich dachte mir, ich habe es einmal geschafft, da hatte ich weniger Ahnung von meinen Erkrankungen, da schaffe ich es auch ein zweites Mal, mir tolle Ärzte zu finden. Doch was mir bisher unterkam, das muss ich jetzt wirklich erzählen, denn das holt den stärksten Bullen aus dem Tiefschlaf!

Praxis 1:
Bereits von Bayern aus, habe ich hier - also sehr rechtzeitig - einen Termin vereinbart, um mich vorstellen zu können. Schließlich brauche ich regelmäßige Anbindung an Fachärzte und auch Medikamente, da wollte ich alles ordentlich anleiern.
Als ich in die Praxis kam, war dort alles sehr ansprechend, freundlich und hell eingerichtet, und die Arzthelferinnen waren alle total nett und hilfsbereit. Ich musste nicht lange warten, ca. 30 Minuten, dann konnte ich mit Frau Doktor sprechen.
Frau Doktor sagte mir gleich, dass sie zu meiner Vorgeschichte erstmal nichts wissen will, aber ja sieht, dass ich in 14 Tagen 35Jahre werde, was gleich mal Anlass gibt, für kurz nach meinem Geburtstag einige Untersuchungen anzusetzen, die mit 35 die Krankenkasse dann zahlt. Aha, doch wollte ich ihr natürlich auch gerne noch meine Bedürfnisse und Wünsche an einen Hausarzt da legen, da nannte sie mir dann x Fachärzte, zu denen ich müsste, weil sie mir diese Medikamente, die ich in Bayern immer bei meinem Hausarzt bekam, gar nicht verschreiben dürfte. Dann klingelte auch schon ihr Handy (Klingelton war irgendein Discohit mit "Sexy Lady") und das Gespräch nahm sie mit dem Rücken zu mir aus dem Fenster schauend natürlich auch an. Es ging um die Kreuzfahrt, die sie für sich und eine zweite Person geplant hatte und da wurden dann die Einzelheiten besprochen. Dass ich in ihrem Sprechzimmer saß und grade meinen Termin hatte, interessierte sie nicht. Als sie fertig war mit Telefonieren, setzte sie sich wieder und meinte, wenn ich dann keine Fragen mehr hätte, könne ich ja gehen.
Ich bin dann erstmal raus, musste noch mal auf eine Überweisung im Wartezimmer warten. Dort saß ich dann, dieses war inzwischen proppe voll, als ich die Frau Doktor laut im Eingangsbereich mit der Arzthelferin über mich reden hörte: "MeiLing ist in Erwerbsminderungsrente und nur zuhause, was soll die schon vorhaben, die soll zu dem Termin kommen, den wir ihr geben. Die hat doch nichts zu tun, die geht ja nicht arbeiten!" Ungelogen - alle Personen im Wartezimmer, und die Tür zwischen Wartezimmer und Eingangsbereich war geschlossen, hoben den Kopf und sahen sich suchend nach MeiLing um. Ich stand sofort auf, riss die Tür auf und fragte die Frau Doktor, ob sie denn ein Problem mit mir oder dem Zustand, dass ich in Erwerbsminderungsrente auf Grund meiner Erkrankungen sei, habe, denn wenn das so wäre, würde ich nicht mehr kommen können. Da wurde sie ganz bleich und fing an zu stottern, fand gar keine Worte.
Ich sagte der Arzthelferin DANKE für alles und ging.

Praxis 2:
Hier war ich jetzt ein halbes Jahr. Die Praxis ist okay, die Arzthelferinnen sind okay, dort gibt es ein Arztehepaar und die sind okay. Herr Doktor, bei dem  ich bin, ist mega begeistert davon, dass ich aus Bayern komme, und lenkte bisher alle beiden Gespräche darauf, so dass wir gar nicht das Wesentliche meiner Besuche bei ihm besprechen konnten. Er ist so ein Weltenbummler und findet es halt toll, sich mit mir über die Gegend, aus der ich ursprünglich komme, zu unterhalten. Ich mag ihn, er ist irgendwie schräg und witzig, und ich finde ihn super kompetent. Problem ist nur, dass zB Blutwerte nicht besprochen werden, ich aber oft wissen muss, wie die Medikation weiter läuft, die Arzthelferinnen vergessen, ihn danach zu fragen. D.h. ich muss x mal anrufen oder in die Praxis kommen. Termine gibt es auch anscheinend nur für besondere Personen, denn wenn ich etwas will, soll ich "reinkommen und muss dann warten". Das habe ich einmal gemacht und saß 2,5 Stunden. Ich habe schon erwähnt, bei Euch und in der Praxis, dass ich eine Angststörung habe, was mir das Warten in einem vollen Wartezimmer einfach super strapaziös macht. Doch die Praxis sagte mir vor zwei Tagen, als ich das ansprechen und eine gemeinsame Lösung finden wollte, ich müsse ja nicht im Wartezimmer warten, ich könnte ja vor der Praxistür stehend im Treppenhaus warten, sie würden schon nicht vergessen mich aufzurufen! Wer eine chronische Schmerzerkrankung hat, kann sich vorstellen, dass auch das super machbar ist! Und im Winter isses auch gar nich kalt. Im Prinzip bedeutet das für mich: Separiert auf Grund meiner Erkrankung, fühle mich auf dem Abstellgleis, dabei ging es mir um eine Lösung wie zB mich nochmal eine absehbare Wartezeit wegzuschicken, dass ich ne Runde spazieren oder einkaufen gehe, aber darauf ließen sie sich nicht ein....

Praxis 3:
Jeder hier empfiehlt mir diese Ärztin, ich höre nur Gutes. Also habe ich schon zweimal angerufen und um Aufnahme gebeten. Doch mir wird immer wieder nach Rücksprache mit der Ärztin gesagt, sie haben Aufnahmestopp, weil sie die Qualiltät der Patientenbetreuung nicht durch zu viele Patienten gefährden wollen.

Also fing ich an zu telefonieren und meine Lage zu schildern....

Praxis 4 / 1km weiter im nächsten Ort:
Die Arzthelferin muss ein Fax wegschicken und hat keine Zeit sich meine Geschichte anzuhören. Zudem, wenn ich gar nicht aus ihrem Ort bin, soll ich mich doch bitte an die Ärzte aus meinem Ort halten, denn sie sind alleine am Ort und müssen sich da um die Patienten kümmern. Das war´s.
Freie Arztwahl? Hallo? Bisschen freundlicher gesagt, hätte ich dafür Verständnis gehabt.

Praxis 5, wieder bei mir im Ort:
Also sie vergeben auch keine Termine und die Durchschnittswartezeit betrug an diesem Tag auch 2,5 Stunden. Neee, bei dem was ich ihr so von mir erzähle, schaffe ich das nicht. Ich frage nach, ob sie zufällig noch einen kleineren Wartebereich oder einige Stühle auf dem Gang oder so haben, wo ich sitzen könnte, wenn dort was frei ist. Oder dass ich einfach rausgehe, wenn´s mir zu viel wird und dann wieder rechtzeitig zurück komme? Nein, sie machen das nicht, damit kommt ihre Praxis nicht in Frage - auf Wiederhören -> aufgelegt!
ääähhhhh.......

Praxis 6 / letzte Praxis im Ort:
Hier kam ich an eine super liebe Arzthelferin, die sofort meinte: "Wissen Sie was? Ich gebe Ihnen einen Termin knapp an der Mittagszeit, dann kann das Warten gar nicht so lang dauern bzw ist dann meist schon nicht mehr so voll!" Und ich habe geweint, weil ich der Dame so dankbar war, was ich ihr auch sagte.
Als ich heute hin kam, war alles soweit okay, doch dann wurde ich von dem Arzt sowas von runtergemacht und böse angeredet, das ist unglaublich. Erstmal schon, wieso ich bei ihm bin, wenn doch der Arzt von Praxis 2 gar nicht im Urlaub sei. Er könne auch keine Wunder vollbringen und wenn er meine Medikamentenliste sieht, sagt er mir gleich, er bietet mir nicht die Ideallösung, die ich erwarten würde. Ich müsste halt dann stationär gehen und so, was ich bei ihm will.... das liege doch alles auf der Hand, ich sei einfach depressiv und da müsse man keine Blutuntersuchung machen. Ich erklärte ihm, es gehe um diese extreme Müdigkeit und er wies mich auf meine Medikamente hin, dass einige davon müde machen würden. So soll das auch sein, wenn man die nachts zum Schlafen nimmt, oder?! Leider konnte ich ihm nichts erklären, er ließ mich zu keiner Zeit ausreden. Letzten Endes fragte er nach Gewicht und Größe und nannte mich dann "einen schweren Brocken", wobei er lachte, um dann hinzuzufügen, er meint natürlich nicht das Gewicht. Ich sollte dann zum Blutdruck Messen kommen, aber ich sagte ihm, der sei immer spitze. Doch das will er selbst machen, das habe ich ihm nicht zu sagen! Irgendwas muss er ja machen, damit ich zufrieden sei. Ich sagte, dass ich ihm keine Behandlungsvorschläge aufdrücken will, fragte, ob es ein Eisenmangel sein könnte.... da wurde er richtig laut, dass ich ihm aber genau was aufdrücke, und ihm sage, was er zu tun habe. Er weiß nicht, was er mit mir anfangen soll, bei mir wäre alles gut, ich habe nichts. Ich habe da schon nur noch geweint, bat ihn aufzuhören, denn er kenne mich nicht und stemple mich so übel ab, doch er meinte nur, ich würde mich ja selbst abstempeln und sei in so einer Schiene drin mit "Eisenmangel und so". Und dann hackte er weiter auf mir rum: "Mit 35 berentet, das ist ja gar nichts, das ist ja übel! Das sind keine Aussichten, wo soll das hinführen?!"
Ich habe ab dem Gespräch zwei Stunden geweint. Und wenn Ihr das lest, sollte ich zum Blutabnehmen bei ihm in der Praxis sein, denn ich habe ihn ja dazu gedrängt, dann macht er halt ein Blutbild... Aber ich bin wirklich gebrochen.


Es ist doch letzten Endes egal, ob chronisch kranker Mensch oder nicht: Der Mensch soll sich an einen Arzt wenden dürfen und können, wenn er ihn braucht. Ich bin von drei Praxen abgelehnt worden, obwohl ich mindestens einmal im Quartal auf Versorgung angewiesen bin. Ich soll vor Türen stehen bleiben, weil ich es in einem vollen (!!!) Wartezimmer nicht stundenlang (mehr habe ich nie gesagt) aushalte und dann gerne gemeinsam an einer Lösung gearbeitet hätte. Ich bin verzweifelt. Ich bin kein Hypochonder, ich kuriere meistens meine Erkältungen, Grippen sonst was, die ich nicht oft habe, alleine zuhause aus, weil ich Arztbesuche gerne vermeide und noch mehr Medikamente auch. Ich brauche einen zuverlässigen Hausarzt, dem ich vertrauen kann, eher zum gemeinsamen Überblick behalten, zur Koordination, der mein Blut im Auge behält usw. Ich renne einem Hausarzt nicht wöchentlich viermal die Praxis ein, so bin ich nicht. Aber mit chronischen Erkrankungen muss ich meine Dinge einfach regeln. Ich brauche einen Hausarzt wie eine Art Basis, bei der alle Strippen zusammenlaufen.
Ich fühle mich bestraft, dass ich einen Weg finden muss, mit dem Päckchen umzugehen, das ich nun mal mitbringe. Wozu eine Praxis für Kranke haben, wenn man den Kranken nicht hilft und ihnen genau den Finger in die Wunde steckt?
Ich bin ja neu hier im Norden, ohne Familie usw, deswegen wollte ich einen Hausarzt 20km weiter weg vermeiden. Ein Hausarztbesuch, wenn ich starke Schmerzen habe, bei denen ich teilweise gar nicht gehen oder mich umschauen kann, wird dann nämlich schwierig, wenn ich niemanden zum Fahren habe. Ja sicher, der eine oder andere Leser wird sich denken: Mann, die is aber auch kompliziert, bei der passt ja gar nix! Ich sage Euch, wie es ist: Ich lebe seit Jahren mit meinen Erkrankungen und muss selbst am besten wissen, was ich schaffe und wie - das kann sonst niemand beurteilen oder einschätzen. Und wenn mir Arzt A ein Medikament gegen Schmerzen gibt, mit dem ich nicht Autofahren darf, dann wird es schwierig, Arzt A bei starken Schmerzen aufzusuchen, wenn ich das Medikament schon genommen habe und er 20km entfernt ist, oder? Ebenso wenig kann ich das Leben mit einem Kind einschätzen, da muss Frau ja auch erstmal ihre Wege und Tüfteleien finden.

Ich versuche, seit 7 Monaten einen  ganz normalen Hausarzt zu finden, bei dem ich kommen und sagen kann: Können wir mal zusammen gucken, ich bin seit Monaten so extrem müde. Und wenn dann alles abgegrast und körperlich nichts ist, dann hab ich ne Depression, okay! Aber nur, weil man eine Medikamentenliste sieht, lass ich mir keine Diagnose aufn Kopf zu sagen beim ersten Blickkontakt.

Dass es unter den Bundesländern so krasse Unterschiede gibt, habe ich nicht gedacht. Die Krankenkasse ist informiert und schickt mich von einer Hotline zur anderen, was mir bisher noch nicht geholfen hat. Im Moment will ich einfach gar keinen Arzt, denn sobald ich meine wichtigen Punkte anspreche, werde ich als fordernd und unangenehm tituliert, oder sogar eben als Hypochonder und Geisteskrank. Das missfällt mir, ich bin nicht dumm oder gestört. Wer eine Krankheit hat, erlernt viel über diese Krankheit, da lässt man sich dann auch nicht mehr alles gefallen oder sagen. Doch heute bin ich immer noch von der gestrigen Erfahrung k.o.

Und ich weiß echt nicht weiter.....

Habt Ihr auch so schlimme Erfahrungen mit den weißen Göttern gemacht? Wurdet Ihr in Hausarztpraxen schon abgewiesen? Auf was legt Ihr Wert bei Euren Ärzten? Habt Ihr einen Tipp für mich? Was kann man tun, um hier mal einen Weckruf zu starten?

Ich sende Euch viele Grüße und bleibt Euch bitte wichtig, was Eure Gesundheit betrifft!
Eure MeiLing

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