Dienstag, 7. Juni 2016

MeiLing scheißt klug: Frieden ist der Weg

„Es gibt keinen Weg zum Frieden,
denn Frieden ist der Weg.“
Arun Gandhi


Hallo Ihr HerzensmenschInnen,

immer, wenn ich mit Euch hier schreibe, bin ich in einem gewissen Frieden.
Einem Frieden mit mir, mit Euch und auch mit der Welt, dieser kleinen Welt, in der wir hier sind.

Das Schreiben mit Euch ist ein Geschenk, das mir Frieden in mein Herz und meine Seele bringt, wenn die Themen da draußen mal wieder so gar nicht friedlich sind.
Denn auch hier auf MeiLing Art sprechen wir oft über diese Dinge, die überall so präsent sind und vor denen keine Augen verschlossen bleiben können.
Denn Gewalt, Terror, Krieg und Ungerechtigkeiten, Mobbing, fatale Entscheidungen und all dies, gibt es ja nicht nur in der großen Weltpolitik, sondern auch in unseren Familien, unserem Arbeitsumfeld, unserem Freundeskreis. Wir sind immer und überall mal damit konfrontiert und es ist wirklich schwer, immer nur „Frieden“ zu verbreiten und nicht mal Wut und richtigen Ärger hochkochen zu lassen.



Dennoch bin ich begeistert von der Lehre Mahatma Gandhis´ aus den 60er Jahren, in der er dazu aufruft, totale Gewaltfreiheit zu leben.
Ich habe mir heute zum Klugscheißertag überlegt, ob sich diese Lehre der totalen Gewaltfreiheit, die durch Liebe, Respekt, Verständnis, Anerkennung und Wertschätzung für andere gekennzeichnet ist, wirklich mit dem Freilassen des Gefühls der Wut schneidet.


Früher (ich würde hier mal die 60er – 80er Jahre anpeilen) war es wohl echt ungehörig, den eigenen Kindern zu erlauben, das Gefühl „Wut“ zu spüren und richtig zu erleben. Damit meine ich so von Anfang bis Ende, also vom Heraufkommen der Wut, wie sie anfangs so brodelt, hochkocht und sich dann in Schreien oder auch mal Türenschlagen und Teller gegen die Wand werfen entlädt. ;-) Das Mindeste, was wir tun durften (wenn überhaupt), war, uns im Supermarkt aufm Boden zu wälzen und ein Heulkonzert abzuliefern, weil wir die Gummibärli nicht haben durften – oh Schreck! Und da ging es Mutti sicher nicht um unsere Wut und dass die nicht sein darf, sondern um die Schande und das, was die Leute sagen könnten… Ich erinnere mich bei mir an gar keine solche Situation.

Denn auch ich gehöre zu diesen 80er-Jahre-Kindern, die Wut nie kannten. Bis ich dadurch Probleme bekam, weil ich, statt Wut für manches Verhalten anderer, das mich verletzte oder in meinem Leben stark einschränkte, immer sofort eine ach-so-logische Erklärung parat hatte, die alles entschuldigte. Sie stürzte mich zwar in tiefe Verzweiflung und Enttäuschung, ich machte den Kummer und Schmerz darüber mit mir selbst aus, doch der andere war gut aus dem Schneider. Das war zwar super für die gesamte Menschheit, jedoch ein nicht gerade freundliches Verhalten mir selbst gegenüber, und so musste ich wirklich lernen, Ärger bis hin zur Wut zuzulassen. Rückblickend ein witziger, doch auch buchstäblich oft wahnsinniger Weg.


Heute möchte ich dazu zwei Dinge sagen: 
Lasst Eure Kinder mit all ihren Gefühlen sein, so unangenehm das für Euch selbst vielleicht auch sein mag! Aber Ihr lebt Eure Gefühle doch auch aus, oder etwa nicht!?
Und zweitens: ich will meine Wut nicht mehr missen, denn sie rettet mich selbst!


Wieso ich das sage?
Weil ich ohne diese Wut kein "Signal" in mir hätte, was ich brauche und was für mich richtig und falsch ist. Nur so kann ich erkennen, was ich für meinen Frieden brauche! Und nur dann kann ich Frieden in die Welt bringen, oder!?

~*~

Arun Gandhi ist 81 Jahre und der fünfte Enkel von Mahatma Gandhi. Er setzt sich heute sehr dafür ein, dass Mahatma Gandhis´ Lehre verbreitet und gelebt wird. Arun sagt, wenn jeder in sich selbst „Ja“ zum Frieden sagt, sei die große Politik nichts gegen die Kraft, die dann entstehen würde, und wir könnten die Welt zur Heilung bringen.

Wenn ich das lese, empfinde ich Geborgenheit und Schutz, und ich denke, das wäre der richtige Weg. Eine „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Philosophie führt zu dem, was wir bereits haben. Sie basiert auf Wut, die entsteht, weil wir so sauer sind wegen all dem, was geschieht, was wir nicht verstehen, was wir für unfair erachten, und deshalb in uns hineinfressen, weil uns anerzogen wurde, dass Wut "falsch" sei! Und genau durch dieses Denken haben wir nie gelernt, sie über ein gutes Ventil freizulassen! Und so wächst sie in uns und reift heran zu großer Aggression… Gefährlicher Aggression, wir alle können täglich in den Nachrichten verfolgen, wie sich diese auswirken kann.
Auch Hass ist nicht besser, Hass ist sauer, Hass zerfrisst uns! Hass ist zerstörend!

Was also tun, um Ärger, Wut und Hass mit der Lehre der Gewaltfreiheit unter einen Hut zu bringen, wenn ich mir also erlauben möchte, all diese Gefühle dennoch zuzulassen?

Denn wisst Ihr, ich bin zwar ein kleines rundes Manschkerle, doch ich kann schon auch mal wütend sein! Und wenn sich dann noch Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und Traurigkeit mit dazu mischen, dann spüre ich diese enorme Hitze in mir.... !!!
Mahatma Gandhi sagte „Jeder Mensch ist ein fester Bestandteil des Ganzen.“, und so denke ich dann aber auch, dass alle Gefühle feste Bestandteile von mir sind und mich ausmachen. Um „ICH“ sein zu dürfen, möchte ich mit Allem da sein dürfen!

Erst gestern habe ich in einer Doku von einer Anwältin gehört, die ihren Mann bei einer Schießerei verloren hat. Sie war noch sehr jung, ihr Mann auch, er verstarb direkt am Ort des Geschehens. Sie war natürlich unglaublich geschockt, zutiefst traurig, dann kam die Wut und der Hass auf den Täter. Bis sie merkte, dass sie diese Sache so für sich selbst nicht abschließen und weitermachen konnte. Also fing sie nicht nur an, den jungen Täter regelmäßig im Gefängnis zu besuchen, denn sie sagte, sie musste ihn kennenlernen, um zu wissen, ob sie ihn überhaupt hasste. Nein, sie fing auch an, als Strafverteidigerin in Fällen, die ihr vom Gericht zugewiesen werden, zu arbeiten. So konnte sie loslassen und ihren Frieden finden, auch wenn der Schmerz über den Verlust natürlich blieb.
An diesem Beispiel sieht man, dass Wut sein darf, berechtigt ist, aber auch umgewandelt werden kann, wobei das hier schon ein ziemlich großes Beispiel ist und viel Stärke beweist (ich will sagen, wir müssen nicht gleich alle Helden sein).

Arun Gandhi zählt auch Armut und Ungerechtigkeit zu passiver Gewalt und sagt, dass wir alle eine große Familie auf dieser Welt sind und durch Teilen für Frieden in Form von mehr Ausgewogenheit sorgen können. Ich finde, auch dafür steht oben genanntes Beispiel, denn die junge Anwältin teilt ihre Zeit mit dem Mann, der ihr ihre Liebe nahm. Ein wenig Zeit zu teilen, ist immer ein schönes Geschenk!

Heutzutage schimpfen zB. viele über die Flüchtlingspolitik. Andere haben aber erkannt, dass sie durch ihr ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe eine Stimme haben, die sie bei Sitzungen im Verein, aber auch regional kundtun können, die zuhause im Wohnzimmer ungehört geblieben wäre. Auch hier kann sich Unverständnis, das zur Wut angewachsen wäre, durch die Aktivität in was Gutes wandeln.

Ich merke, dass sich meine Wut gerne in Energie umwandeln lässt. Sei es der Hausputz, Auto waschen oder aber auch mein Engagement für die Herzkissenaktion. Dann geh ich an die Nähmaschine, schneide neue Stoffe zu, suche online nach Kontakten, neuen Ideen. Manchmal schreie ich auch „Scheiße“, ja, das tu ich. Für mich kommt sich das mit folgendem nicht in die Quere:

~*~

Die Idee der Lehre der Gewaltfreiheit ist einfach:
Sich jeden Tag vornehmen, zu versuchen ein besserer Mensch als gestern zu sein, und Liebe, Respekt, Wertschätzung, Anerkennung und Verständnis in Welt zu tragen.


Schön, dass wir hier Zeit miteinander teilen, danke,
Eure MeiLing

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