Samstag, 4. Juni 2016

Buchrezension: Darf´s mal wieder Liebe sein?

"Daniel´s Gate:

Der Lauf der Welt" 
von Marlena Noah
 
 
 
"Daniel's Gate: Der Lauf der Welt" war für mich der totale Überraschungsgriff 
in die Welt der aktuellen Romane. 
Sicher, es geht um die Liebe zweier junger Menschen zueinander, 
die sich anziehen wie zwei Magnete und doch nicht so richtig zueinander finden können, 
und das ist nicht gerade eine Story, die wir noch nie gesehen, gehört oder gelesen haben. 
Aber die Autorin Marlena Noah hat sich bei "Daniel's Gate" nicht nur mehr gedacht, 
sondern dem Buch durch ihre ganz persönliche Note auch einen besonderen Hauch verliehen.


Und hier möchte ich auch gleich ansetzen.
Viele Romane plätschern eher klischeebehaftet und plump auf dem Liebesromanniveau vor sich hin, doch das ist hier überhaupt nicht der Fall. 
Wir finden hier ein Buch, das durchdacht, strukturiert und sehr komplex aufgebaut ist, 
und bei dem der Leser schon am Ball und aufmerksam bleiben muss. 
Man wird sehr gut durch das Buch geführt, die Kapitel sind sozusagen untergliedert in einen Vorspann durch eine Erzählerfigur, dann folgt die Handlung (mit Rückblenden), und das Ende findet sich in einem Zitat aus einem Songtext, dessen Titel auch der Name des jeweiligen Kapitels ist. Obwohl so geordnet, bietet dieses Buch wunderbaren Spielraum für eigene Gedanken, Vermutungen und Ideen, was mich das Buch kaum aus der Hand legen ließ.

Das Geschriebene ist auf sehr hohem Niveau was die schriftstellerische Darbietung betrifft, 
so war ich sowohl vom Wortschatz, als auch der wundervollen Beschreibungen, 
den tollen Satzbauten und den bildnerischen Wortspielen sehr beeindruckt. 
Doch nicht nur das, auch im Hinblick auf unsere Protagonisten fand ich den Ansatz sehr gelungen.
Denn auch hier ging es nicht um irgendwelche "Teenager sind so verliebt" - Geschichten, sondern um eine Frage, die sich immer und immer wieder gestellt wird und die damit verbundene Gruppe von jungen Menschen um Samantha Keller und Timothy Sawyer, die sehr menschlich skizziert werden: die Fehler machen, anderen Verletzungen zufügen, weil sie selbst verletzt wurden, und versuchen, ihre Ängste und schlechteren Angewohnheiten in den Griff zu bekommen. Es ist alles wie im echten Leben und ich konnte nicht anders, als immer wieder Verständnis zu verspüren, mit zu fühlen, den Kopf zu schütteln und doch wieder mit zu hoffen. Ich war ein Teil von Sam's "Familie".

Die Handlung hat mir gut gefallen, auch wenn ich denke, es gab für mich etwas zu viel Hin- und Her, und dass dadurch gewisse Längen entstanden sind. Ich habe das Buch jedoch so gerne gelesen, dass ich deswegen und aus Respekt vor dem tollen Schreibstil keinen Stern abziehen werde.

Wer also mal wieder ein Buch über Freundschaft, Selbstfindung, Liebe, Schicksal, innere Dämonen, Irrungen und Wirrungen, Zusammenhalt und vieles mehr lesen möchte, das wirklich TOP geschrieben ist, sollte "Daniel's Gate" besuchen. :-)

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